dotnet-cologne: veni-vidi-vici!

Am letzten Freitag fand die dotnet Cologne zum 3. Mal statt. Ich habe die ersten 2 Male nicht teilgenommen, aber wie ein Freund meinte, diesmal hatte ich “Heimvorteil” ­čÖé Nach der langen Pause, bedingt durch Beinbr├╝che, Umz├╝ge und ├Ąhnliche Erfahrungen, hatte ich regelrechte Entzugserscheinungen: Entzug von der Community.

Principles, patterns, and practices are important, but it’s the people who make them work. – Robert C. Martin aka Uncle Bob

Es war super! ├ťber 300 Leute, darunter sehr-sehr viele bekannte Gesichter, riesen Freude sie wieder zu sehen. Der erste Vortrag, den ich besucht habe, hie├č “Agile Architekturen” und wurde von Ilker abgehalten. Er hat zwei konkrete Beispiele – die Hexagonale Architektur von Alistair Cockburn und Data Context Interaction, der “neue MVC” – vorgestellt, samt Fallbeschreibung und Code f├╝r jeweils ein User Case. Wir d├╝rften/sollten uns dann eine Meinung ├╝ber die L├Âsungen bilden und diese Meinung auch kundtun. Es wurde schnell klar, dass jede Variante ihre Vor- und Nachteile hat, und dass die allgemein g├╝ltige “agile Architektur” nicht wirklich existiert.

 

Nach der Pause ging es dann f├╝r mich mit Daniel “REST Wars: WCF WebHTTP vs. ASP.NET MVC” weiter. Es war eine sehr interessante und kompetente Pr├Ąsentation. Am Ende hatte ich eine ganz genaue Vorstellung dar├╝ber, WOZU man REST verwenden soll und welche technologische M├Âglichkeiten man hat. Notiz an mich: WCF WebAPI bei Codeplex anschauen.

 

Als Lunch-Session wollte ich unbedingt von Sergey ├╝ber psake h├Âren, aber die Zeit ist bei den Gespr├Ąchen mit den Jungs von User Group Karlsruhe irgendwie verflogen. Daf├╝r habe ich stattdessen Kay Giza kennengelernt ­čÖé Endlich kann ich ein Gesicht zu jener Person zuordnen, die mir seit Jahren regelm├Ą├čig Tipps und Empfehlungen schickt. Er hatte selbst eine Session ├╝ber MSDN vorbereitet und ich h├Ątte ihn sehr gern geh├Ârt, aber er war parallel mit der Azure-Session und an dieser musste ich auf jedem Fall teilnehmen. Also hat Kay meine Fragen zum MSDN zwischen a flying coke ( ­čśë you know what I mean) und einen Kaffee im Foyer beantwortet. Danke sch├Ân ­čÖé

 

Der “├ťberflieger” des Tages war eindeutig Bart de Smet – der Mann, der in seiner Freizeit u.a. Sudoku mit c# (Stichwort Microsoft Solver Foundation) l├Âst.
Ich konnte leider nur den ersten von 2 Vortr├Ągen besuchen, ├╝ber “LINQ to Everything” – und das hat er wirklich wortw├Ârtlich gemeint. (Stichwort IQbservable, IScheduler)

 

Der vorletzte Vortrag war der bereits erw├Ąhnte “Azure: Portierung einer Anwendung”. Wir haben einen kleinen ├ťberblick von der Zusammensetzung von “the Cloud” bekommen, und die “Do’s and Dont’s” dazu. Und mir wurden diese zwei Tatsachen klar: in der Cloud alles kostet Geld und ohne Clean-Code (insbesondere ohne Dependency Injection) braucht man dar├╝ber gar nicht nachzudenken. Wenn aber die Vorbedingungen erf├╝llt sind, dann geht das Portieren super schnell und einfach.

 

Last but not least habe ich mir eine Session ├╝ber “Rich-Internet Apps & Mobile Anwendungen mit HTML5…” geg├Ânnt, ein Thema, mit dem ich mich zur Zeit nicht direkt besch├Ąftigen muss – zur Entspannung so zusagen ­čśë Also dies war eine super Entscheidung, Tim Fischer ist ein gro├čartiger Vortragender! Als Nebeneffekt habe ich erfahren, wie man JavaScript-Code ohne es zu schreiben generiert (Stichtwort Sencha) und was hinter dem Begriff HTML5 steckt.

 

Damit war f├╝r mich das Pflichtprogramm zu Ende, aber nat├╝rlich nicht der Tag.
Jeder, der bei solchen Community-Events schon teilgenommen hat, wei├č, dass die besten Gespr├Ąche rund um Entwickler-Sein bei dem/den abschlie├čenden Bier/en danach gef├╝hrt werden. So hatte ich die Ehre, endlich codemurai kennen zu lernen und die Meinungen der anderen ├╝ber Themen wie “warum ist Softwareentwicklung einer M├Ąnnerdomaine” oder “Absatzmarkt China” oder “das Geheimniss hinter dem Erfolg von osteurop├Ąischen Softwareunternehmen” zu h├Âren.

 

Es war sch├Ân, es war anstrengend und es war sehr lehrreich.
Genauso, wie eine Konferenz sein soll.

 

Tausend Dank an das Orga-Team und an die Sprecher f├╝r ihre gro├čartige Arbeit und f├╝r ihre M├╝he, diese Community zu st├Ąrken und zu pflegen.
“Individuals and Interactions over Processes and Tools” – wie das Agile Manifest es so sch├Ân definiert – weil wo w├Ąren wir, wenn das nicht war w├Ąre?!

 

Das n├Ąchste Event – NOS S├╝d 2011 – wartet schon…

Design copy-paste

www.codekicker.de
Irgendwann Anfang Februar habe ich von Marco Parrillo (Neue Mediengesellschaft Ulm mbH) eine Empfehlung f├╝r: “codekicker.de – Die deutschsprachige Entwickler-Community | Machen Sie mit!” bekommen. Ich finde so was immer super und habe die E-Mail sofort an meinen Kollegen weitergeleitet (die Empfehlung kam ja von einer seri├Âsen Gesellschaft).

Ich hatte in der Arbeit keine Zeit, also habe ich die Seite erst am Abend ge├Âffnet :
www.stackoverflow.com

Oh, dachte ich, super: eine deutsche Tochter von stackoverflow!

Auf den ersten Blick konnte man das nirgendwo sehen, also habe ich alles durchsucht: Impressum, Kontakte, sonstige Infoseiten, aber gar nichts… Danach habe ich einfach die Suchfunktion benutzt, aber das einzige Ergebnis eine Frage zu einem Stackoverflow-Exception war.

Durch googeln bin ich f├╝ndig geworden: die Seite ist gar keine Tochterseite von stackoverflow, sie wurde einfach nur kopiert! Auf die Suchbegriffe stackoverflow + codekicker habe ich folgende Diskussion bei stackoverflow gefunden:

In germany a Stackoverflow-like site was created, that is very, very similar to Stackoverflow in the mechanics of reputation and badges etc. That is so similar, that I think they could use the same software. Did you sell it to them? Or are they using a very similar clone-software? The Community I have in mind is Codekicker.

Das war ern├╝chternd (und gleichzeitig komisch, da es offensichtlich eine Diskussion auf codekicker ├╝ber das Thema gibt, aber irgendwie doch nicht gefunden wird).
Als ich dann die Antworten der Betreiber der Seite gelesen habe, wurde ich richtig entt├Ąuscht:

Vielen Dank f├╝r deine Anteilnahme an unserem Projekt ­čśë Du darfst uns gerne auf unserer Feedbackseite gr├╝ndlich deine Meinung sagen. Per Mail oder Telefon bin ich heute den ganzen Tag zu erreichen.

Gru├č,
Marvin

Irre ich mich, oder waren die 2 Studenten sogar stolz auf ihre copy-paste F├Ąhigkeiten? Und kann es wirklich sein, dass alle das ok finden und keine daran was auszusetzen hat? Ich meine, sogar die Logos sind ganz ├Ąhnlich. Und auch, wenn stackoverflow den Code nicht patentiert hat, jemand hat sich ja richtig viel M├╝he gemacht, das Design auszudenken, angefangen mit den Farben bis zum Gesamtbild.

Die Antworten variierten zwischen “das macht ja nichts, Hauptsache ist es auf Deutsch” und “wenn es dir nicht passt, dann nutze es nicht!” – was f├╝r mich erst Recht keine Antwort ist.

Ich ├╝berlege nun seit ein paar Wochen, ob ich das hier ansprechen soll, aber ich m├Âchte eure Meinung wissen:

  1. Bin ich wirklich die einzige, die diese Tatsachen st├Âren? W├Ąre es wirklich zu viel gewesen, irgendwo auf der Seite ein Dankesch├Ân an stackoverflow auszugeben?
  2. Auch wenn das von 2 Studenten OK w├Ąre, ist es auch in Ordnung, dass nun mehrere renommierte Zeitungen ihren guten Namen dazu geben?
  3. Ist es dann auch in Ordnung, dass diese Zeitungen mit einer kopierten Seite Geld machen wollen – da sie ja kr├Ąftig Werbung daf├╝r machen? Und diesen Satz habe ich gar nicht verstanden: “mit codekicker.de ist am 1. Februar 2011 die neue deutschsprachige Community-Plattform f├╝r Entwickler gestartet”? Die Seite gibt es ja schon seit Juli 2009.

Eins ist sicher: ich empfinde gro├čen Respekt gegen├╝ber Jeff und Joel und die anderen von stackoverflow und ich finde, sie leisten gro├čartige Arbeit (auch, wenn sie dies sicher nicht umsonst tun). Genauso einen Respekt habe hatte ich auch vor den Redakteuren dieser Zeitungen. Durch sie aber – da ich ihre Empfehlung weitergeleitet habe – habe ich nun auch eine Sache unterst├╝tzt, deren Betreiber es meiner Meinung nach nicht verdient haben. Mein Fehler, wird so bald sicher nicht wieder passieren.

Recht auf benutzerfreundliche Software

Bei den letzten DNUGK├Âln-Treffen habe ich einen verbl├╝ffenden Satz geh├Ârt:

Jeder B├╝rger hat ein streitbares Recht auf benutzerfrendliche Software.

Die Grundlage wird durch die Bildschirmarbeitsverordnung (BildschirmarbV, Dezember 1996) geliefert. Die Liste der Anforderungen an den Bildschirmarbeitspl├Ątzen beinhaltet folegende Punkte:

21.
Bei Entwicklung, Auswahl, Erwerb und ├änderung von Software sowie bei der Gestaltung der T├Ątigkeit an Bildschirmger├Ąten hat der Arbeitgeber den folgenden Grunds├Ątzen insbesondere im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit Rechnung zu tragen:
21.1
Die Software mu├č an die auszuf├╝hrende Aufgabe angepa├čt sein.
21.2
Die Systeme m├╝ssen den Benutzern Angaben ├╝ber die jeweiligen Dialogabl├Ąufe unmittelbar oder auf Verlangen machen.
21.3
Die Systeme m├╝ssen den Benutzern die Beeinflussung der jeweiligen Dialogabl├Ąufe erm├Âglichen sowie eventuelle Fehler bei der Handhabung beschreiben und deren Beseitigung mit begrenztem Arbeitsaufwand erlauben.
21.4
Die Software mu├č entsprechend den Kenntnissen und Erfahrungen der Benutzer im Hinblick auf die auszuf├╝hrende Aufgabe angepa├čt werden k├Ânnen.

Das erste, was mir – und ich bin sicher, nicht nur mir – in Sinn gekommen ist, war: wie zum Teufel konnte Windows dieser Verordnung entsprechen?? Ich denke dabei vor allem an Punkt 21.3 …

Am Ende des vorher erw├Ąhnten Satzes, gab es allerdings noch eine Bemerkung: “es wei├čt nur keiner“.

Also jetzt schon.

Off Topic: In dieser Liste gibt es noch einen letzten Punkt:

22.
Ohne Wissen der Benutzer darf keine Vorrichtung zur qualitativen oder quantitativen Kontrolle verwendet werden.

Und jetzt frage ich mich, ob all die Konzerne (Deutsche Bahn, Telekom und wie die alle hei├čen), die ihren Mitarbeiter ausgespitzelt haben, wirklich dieser Anforderung entsprechen…